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Fachartikel vom 11.12.2018

Neues Schema zur Sortenbeschreibung!

Von DI Michael Oberforster, AGES Wien

Wirtschaftlicher Pflanzenbau setzt die Nutzung geeigneter Sorten voraus. Um diese Eignung zu erkennen, sind Feldversuche in den wichtigsten Anbauregionen und Qualitätsprüfungen notwendig. Die Ergebnisse werden in der Beschreibenden Sortenliste, im Sortenfinder und in Fachzeitschriften veröffentlicht. Zwecks verbesserter Lesbarkeit sind agronomische Eigenschaften der Sorten, die Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge, das Ertragspotenzial und die Qualität mit Noten (Ausprägungsstufen) von 1 bis 9 dargestellt. Von den 1960er Jahren bis Oktober 2018 bedeuteten niedrige Noten im Allgemeinen eine günstige und hohe Noten eine ungünstige Ausprägung.

Bisheriges Schema passt nicht immer

Allerdings ist die „1 = günstig, 9 = ungünstig-Regel“ mitunter wenig zutreffend oder gilt nur für bestimmte Nutzungsrichtungen. Beispielsweise wurden kurzwüchsige Sorten mit einer niedrigen Note (d.h. günstig) beschrieben. Für Bioflächen und Betriebe mit Einstreubedarf sind aber Getreidesorten mit mittlerem oder längerem Halm oft geeigneter. Auch typische Silomaise sind tendenziell etwas hochwüchsiger. Bei der Sojabohne kann ein sehr kurzer Wuchs vermehrt zu Druschverlusten führen. Eine frühe Reife, gekennzeichnet durch eine niedrige Note, ist nicht in derselben Weise wertvoll wie eine geringe Krankheitsanfälligkeit. Bei Mais, Sojabohne, Sonnenblume oder Kartoffeln bringt die Ausnutzung der Vegetationszeit zusätzlichen Ertrag. Bei großkörnigen Ackerbohnen- und Erbsensorten wurde das Tausendkorngewicht mit Noten von 1 bis 3 (d.h. günstig) eingestuft. Aufgrund höherer Saatgutkosten hat die landwirtschaftliche Praxis diese Eigenschaft mitunter jedoch negativ gesehen. Für eine Qualitätsweizen- oder Futtergerstensorte ist ein höherer Proteingehalt vorteilhaft, während er bei Braugerste oder Keksweizen niedriger sein soll. Einer frühen Speisekartoffel soll ein niedriger Stärkegehalt nicht negativ angelastet werden.

Neues Schema mit geänderter Skalenrichtung

Deshalb wurde Anfang November 2018 das Schema zur Sortenbeschreibung umgestellt. Nun bedeuten niedrige Noten eine geringe und hohe Noten eine starke Ausprägung, unabhängig davon, ob dies bei dem betreffenden Merkmal günstig ist oder nicht. Vor allem bei den Ertragseigenschaften, der Stickstoffeffizienz und vielen Qualitätsmerkmalen brachte dies eine Änderung der Skalenrichtung mit sich. Etwa die Hälfte der Merkmale von Backweizen, Durumweizen und Braugerste ist nun umgekehrt skaliert, andere Pflanzenarten waren davon teils weniger betroffen. Bei dem bis Oktober 2018 gültigen Schema hatten die jeweils vergebenen Noten eine beschreibende (hoch, niedrig) und eine wertende (günstig, ungünstig) Funktion. Das neue Schema beschreibt die Sorten, der Landwirt nimmt eine Wertung entsprechend seinen Produktionsbedingungen vor.

Beispiel für neue Einstufungen:

Das komplette neue Schema:

 

 

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