Die
Trockengebiete in Österreich, Tschechien, Slowakei und Ungarn, aber
auch die Roggenstandorte in Brandenburg und angrenzenden Bundesländern
Deutschlands sind in der möglichen Erntemenge pro Hektar den
Ungunstlagen zuzurechnen.
Das
klimabedingte Ertragspotential in diesen Regionen ist mit 3000 bis 6000
kg/ha, durchschnittlich mit maximal 5000 kg/ha begrenzt. Somit ist der
Erlös in diesen Ungunstlagen deutlich unter dem erzielten Erlös in den
EU-Gunstlagen mit dem klimabedingten Ertragspotential von 10 000 bis 12
000 kg/ha. Die
Trockengebiete
Mitteleuropas in der Grenzregion der alten EU-Staaten und der neuen
EU-Staaten sind Ungunstlagen in der Quantität, aber Gunstlagen in der
Qualität!
1.
Pannonisches Trockengebiet Österreichs:
Seit Jahrzehnten wird Premiumweizen produziert!
Sowohl in Europa als auch in den USA
und in Kanada werden Sorten, welche die höchste genetische – somit
natürliche – Mahl- und Backqualität erreichen, angebaut. In Österreichs
Trockengebiet werden seit Jahrzehnten Sorten mit höchster Qualität
produziert, das sind zumeist Premiumweizensorten mit Premiumweizenqualität.
International gesehen sind diese Sorten und somit die produzierte Qualität
(Eiweißgehalt >14% Rohprotein in der Trockensubstanz) mit der
bekannt sehr hohen Manitoba-Qualität zu vergleichen.
Die
Abb. Pannonischer Weizen aus Österreich zeigt, dass sehr hohe
Rohproteinwerte, sehr hohe Feuchtkleber- und Sedimentationswerte, somit
sehr hohe Gebäckvolumina erzielt werden, zudem ist die Teigenergie im
Extensogramm, das Hektolitergewicht und die Fallzahl auf sehr hohem
Niveau. Somit ist es möglich, dass das Kerngebiet des pannonischen
Trockengebietes Österreichs auf die Region des Trockengebietes
Mitteleuropas ausgedehnt werden kann - von 150.000 Hektar auf 3.000.000
Hektar.
2.
Voraussetzungen für die Premiumweizenproduktion im
Trockengebiet Mitteleuropas
2.1.
Höchste Mahl- und Backqualität
Seit über 50 Jahren werden bei der
Probstdorfer Saatzucht Winterweizensorten gezüchtet, welche die höchste
natürliche Backfähigkeit aufweisen. Dies waren die Hauptsorten Stamm
101, Record, Extrem und Perlo bis in die 90er Jahre. Derzeit sind es
CAPO, JOSEF, CARLO und ATRIUM. CAPO ist nunmehr die
Standard-Premiumweizensorte in konventionellen und biologischen
Betrieben in Europa, LUDWIG die Standard-Qualitätsweizensorte von
Deutschland bis Ungarn.
Die
Abb. Zuchtziele bei Winterweizen zeigt, dass der Hauptschwerpunkt
in der Züchtung bei der Probstdorfer Saatzucht stets auf der Qualitätszüchtung
lag, dass Ertragssicherheit und Ertrag somit der Qualitätszüchtung
untergeordnet sind.
Qualitätszüchtung
bedeutet höchstes genetisches = natürliches Gebäckvolumen und
hervorragende Teigeigenschaften beim Bäcker, beim Müller einen hohen
Mehlanteil bei der Vermahlung. Diese Qualitätsziele müssen im Einklang
mit einer Erhöhung des Ertragspotentials, mit der Verbesserung der
Krankheits- und Klimaresistenzen gebracht
werden. Die vielfältigen Zuchtziele zu kombinieren, somit zu
verbessern, ist die große Herausforderung bei der Weizenzüchtung in
Probstdorf.
2.2.
Optimierung der Bestandesführungsmaßnahmen
Premiumweizen wird im Rahmen des österreichischen
Umweltprogrammes produziert. Dies bedeutet, dass die Düngerobergrenze
bei 130 kg/ha Rein-N liegt und dass auf Wachstumsregulatoren oder
Fungiziden verzichtet wird. Der Anbau von Premiumweizensorten ist
Grundvoraussetzung und vor allem die N-Spätdüngung ist unverzichtbar,
um Rohproteinwerte von mindestens 14 % Rohprotein in der Trockensubstanz
zu erreichen.
Premiumweizensorten CAPO, JOSEF, CARLO und ATRIUM können
Mitte Oktober mit niedrigen Saatstärken (130 bis 150 kg/ha) angebaut
werden können. Pflanzenschutzmaßnahmen und Wachstumsregulatoren können
dadurch minimiert werden. Die N-Düngung ist im Umweltprogramm Österreichs
mit 130 kg/ha Rein-N begrenzt, wobei eine Woche vor dem Ährenschieben
40 bis 60 kg/ha Rein-N zu düngen sind, um 5000 kg/ha mit dem Ziel, den
angestrebten Rohproteingehalt von mindestens 15 % in der Trockensubstanz
zu erreichen.
Unter den Voraussetzungen des Österreichischen
Umweltprogrammes wird auf mindestens 200 kg/ha Kornertrag verzichtet, um
Premiumqualität zu ernten.
2.3. Qualitätsklassenbildung –
die CAPO-Klasse
Wie in Manitoba/Kanada ist es
notwendig, dass sogenannte Qualitätsspitzenklassen gebildet werden. So
ist Canada Western Red Spring Wheat (CWRSW) eine internationale Qualitätsklasse,
mit definierten Qualitätskriterien.
In
Europa werden zumeist sortenreine Partien verlangt. Dies ist bei der
gegebenen Sortenvielfalt auch notwendig, mit allen Problemen, der
getrennten Lagerung nach Sorten, Proteingehalt und weiteren Kriterien,
wie zum Beispiel nach der Fallzahl.
Diese
Klassenbildung sollte auch im Trockengebiet Mitteleuropas Einzug finden.
Wie in Kanada sind für Premiumweizen Sortenkriterien und Qualitätskriterien
zu definieren, wobei in der Premiumweizenklasse mehrere Sorten vertreten
sein können und sollen.
Wie
in der Abb. Premiumweizen CAPO-Klasse ersichtlich ist, wird die
sogenannte CAPO-Klasse, auch CAPO-Gruppe oder CAPO-Familie genannt,
vorgeschlagen und aus einem praktischen Grund auch so bezeichnet wird.
Die Sorte CAPO ist der Markenbegriff für internationale Spitzenqualität
sowohl in den germanischen als auch romanischen Ländern und die Sorte
CAPO erfüllt alle wesentlichen Qualitätsparameter. Zu dieser
CAPO-Klasse zählen derzeit die Premiumweizensorten CAPO, JOSEF, CARLO
und ATRIUM. In den kommenden Jahren wird sich das Sortenspektrum ändern.
Wesentlich jedoch ist, dass die CAPO-Klasse bestehen bleibt, auch wenn
die Sorte CAPO irgendwann einmal nicht mehr vertreten sein wird.
Diese
CAPO-Klasse sollte in weiterer Folge im Trockengebiet Mitteleuropas an
den Landwirtschaftlichen Produktenbörsen notieren und in Europa und auf
der gesamten Welt zur internationalen Qualitätsklasse werden, wie es
auch CWRSW bereits ist.
2.4.
Lebensmittelsicherheit und Qualität
Die
Nachvollziehbarkeit des Lebensmittels Weizen sollte gewährleistet sein
und zwar vom Anbau bis zur Ernte, vom Handel zur Mühle bis zum Bäcker
und somit zum Konsumenten. Diese Forderungen von den Konsumenten sind in
der Abb. Lebensmittelsicherheit und Qualität als Flussdiagramm
dargestellt.
Bevor
die Notwendigkeit eines EU-Lebensmittelsicherungs- und Qualitätsprogrammes
für die Konsumenten aufgezeigt wird, soll der Anteil des
Erzeugerpreises am Konsumentenpreis erklärt werden.
Viele
Konsumenten glauben, dass der Erzeugerpreis-Anteil bei 30 % liegt. Tatsächlich
wird aus dem Erzeugerpreis von 10 Cent/kg ein Konsumentenpreis von 10
Euro/kg für Brot und Gebäck erzielt, dies sind 1% Wertschöpfung für
die Landwirte in Österreich.
2.5.
EU-Lebensmittelsicherungs- und Qualitätsprogramm
Ziel
ist die Schaffung eines EU-Lebensmittelsicherungs- und Qualitätsprogrammes
bei Winterweizen zur Erhaltung einer flächendeckenden Produktion in
Ungunstlagen, zur Verbesserung der Lebensmittelqualität für die
Konsumenten durch Förderung des Anbaues von gesünderen Weizensorten
mit sehr hoher natürlicher Backfähigkeit. Grundsätzlich sollte jedes
EU-Land bei diesem Programm teilnehmen können. Wesentlich ist, dass
die Mittel für die Dienstleistungen an die Konsumenten nicht aus dem
Agrarbudget kommen können, sondern aus dem Verbraucherbudget kommen
müssen.
Dieses
Lebensmittelsicherungs- und Qualitätsprogramm ist bezogen auf die Fläche
und das Produkt. Wie in Abb. EU-Lebensmittelsicherungs- und Qualitätsprogramm
bei Winterweizen erhält der Landwirt auf die Fläche € 200,-/ha,
wenn der Anbau von Winterweizensorten höchster natürlicher Backfähigkeit
erfolgt, verbunden mit einer Z-Saatgutprämie von € 50,-/ha bei
100%igem Saatgutwechsel, wodurch die Lebensmittelsicherheit beim Anbau
gegeben ist. Der Landwirt soll auch die hohe Sorten-Qualität mit dem
notwendig, höheren Eiweißgehalt kombinieren. Die €10,-/to bei
mindestens 14%RPi.TS bzw. die €20,-/to bei mindestens 15%RPi.TS soll
der Landwirt nur erhalten, wenn die Qualitätskriterien erfüllt werden
und dieser Premiumweizen auch vermarktet wird.
2.6.
Entkoppelung von Agrarbudget und Verbraucherbudget
Mit
dem Agrarbudget werden mittels der Kulturpflanzen-Ausgleichszahlungen
und dem Österreichischen Umweltprogramm die nicht kosten-deckenden
Erzeugererlöse sowie unterschiedlichste
Umweltmaßnahmen ausgeglichen, wobei den Landwirten ein kleines
Einkommen zugestanden wird.
Neue
Mehrkosten für die Landwirte verursachen
die zusätzlichen Forderungen der Verbraucher,
Lebensmittelsicherheit und Qualität zu garantieren. In der Abb.
Entkoppelung Agrarbudget/Verbraucherbudget ist ersichtlich, dass
Landwirtschaftliche Betriebe aufgrund der neuen Mehrkosten mit negativen
Betriebserlösen zu rechnen haben.
Die
Dienstleistungen der Landwirte, Lebensmittelsicherheit und Qualität für
die Verbraucher zu gewährleisten, kann nur durch das oben angeführte
EU-Lebensmittelsicherungs- und Qualitätsprogramm erreicht werden. Dafür
muss natürlich der Verursacher der Kosten, der Konsument = Verbraucher,
herangezogen werden und nicht das Agrarbudget. Die Zuständigkeit
für EU-Programme betreffend der Lebensmittelsicherheit und Qualität ist
innerhalb der EU-Kommission abzuklären.
Konklusion
Im
Trockengebiet Mitteleuropas ist es möglich, unter oben angeführten
Voraussetzungen Premiumweizen zu produzieren und diesen in Europa und
der ganzen Welt zu vermarkten. Die Landwirtschaft ist bereit, alle
Voraussetzungen für gesicherte und qualitativ hochwertige Lebensmittel
zu erfüllen. Dabei muss lediglich akzeptiert werden, dass die Landwirte
im Trockengebiet Mitteleuropas aufwendige Dienstleistungen für
Lebensmittelsicherheit und Qualität nicht kostenfrei den Konsumenten
zur Verfügung stellen können, sondern dafür auch gerecht entlohnt
werden müssen.