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Der Ländliche Raum lebt !  

In der übervollen Mehrzweckhalle der Landwirtschaftlichen Fachschule Obersiebenbrunn fand am 30. Jänner 2004 im Rahmen der Vortragsreihe „Landwirtschaft im Umbruch“ zum Thema „Welche Antworten hat die Agrarpolitik auf die Erweiterung der EU? – So geht`s weiter!“ eine Tagung statt, bei der die vielen Teilnehmer aus Österreich, Ungarn, Slowakei und Tschechien spürten, dass es im Ländlichen Raum Mitteleuropas eine Aufbruchstimmung gibt. Die Organisatoren der Tagung, Dir. Ing. Gerhard Breuer, LFS Obersiebenbrunn, Dipl.Ing. Ernst Grosslercher, Probstdorfer Saatzucht und Dr. Hannes Lang, RLH Marchfeld, haben es geschafft – so BM Dipl.Ing. Josef Pröll und LR Dipl.Ing Josef Plank – ausgezeichnete Visionen und realistische Zukunftsperspektiven bei dieser großartigen Veranstaltung zu vereinen.

 

BM Josef Pröll sieht Chancen durch die EU-Erweiterung

 

„Wir haben alle darauf gewartet, dass der eiserne Vorhang aufgeht. 15 Jahre später ist es soweit: Wir werden innerhalb der EU im mitteleuropäischen Raum ab 1. Mai 2004 noch intensiver zusammen arbeiten. Jene Landwirte, die innovativ sind, sich weiterbilden wollen, werden in der Landwirtschaft die erfolgreiche Zukunft finden, denn die städtische Bevölkerung will einen intakten ländlichen Lebensraum, wo sie Erholung finden kann.“, so BM Josef Pröll – wobei wir ihn kennen, eine Fülle von weiteren positiven Botschaften von ihm vermittelt wurden.

 

LR Josef Plank – der Überraschungsgast !

 

Eigentlich hatte LR Josef Plank keine Zeit – und trotzdem hat er eine Lücke gefunden in die LFS Obersiebenbrunn zu kommen, um ein starkes Zeichen zu setzen: „Ich danke den vielen anwesenden Teilnehmern dieser hervorragend organisierten Tagung, denn Ihr seid die Zukunft des Landes. Mir fällt es mit dieser sehr großen Zahl an Zuhörern in der Landesregierung  viel leichter, Euch großartige Menschen auf dem Land noch intensiver zu vertreten. Ich werde alles tun, um Euch zu unterstützen und sehe vielfältige gemeinsame Lösungswege mit Euch und unseren neuen EU-Nachbarn.“ 

 

Zukunft in Mitteleuropa

 

Wie Dr. Josef  Pinkl, Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Rübenbauern, ausführte, wird die Zukunft der Zuckerrübenproduktion in Europa – nach dem Willen von derzeitigem Welt-Liberalisierungsbefürwortern – in weinigen Jahren zuerst noch finanziell für Landwirte bedingt erträglich sein um alsbald defizitär zu werden. Hier gilt es aufzustehen, Widerstand zu leisten, denn die langjährig aufgebauten Strukturen sind vom Landwirt bis zum Konsumenten ausgezeichnet in Europa.

 

Der Bereichsleiter der RWA u.a. für Getreide, Dipl.Ing. Ernst Gauhs sieht viele Chancen in der EU-Erweiterung, aber nur dann, wenn wir aktiv am nationalen, am EU-Markt und am Weltmarkt mit unserem mitteleuropäischen Premiumweizen auftreten. Mitteleuropa ist ein Überschussgebiet, in dem die besten Weizensorten mit höchsten natürlichen Backfähigkeit für alle Konsumenten produziert werden können.

 

Dr. Peter Hancvencl, Österreichischer Agrarattache in Tschechien und der Slowakei ist Bindeglied zu Österreich und sieht noch gewisse Berührungsängste von den neuen EU-Mitgliedern zu Österreich. Sprachbarrieren sind zu überwinden, die grenzüberschreitenden Kontakte zu fördern und gemeinsame Programme zu entwickeln. Dipl.Ing. Perinka, Landwirt in Tschechien, sagt vollkommen klar in seinen Ausführungen, dass die tschechischen Landwirte zur Zusammenarbeit bereit sind.

 

Dipl.Ing. Ernst Zimmerl, Österreichischer Agrarattache in Ungarn war im Jahre 1995 – Beitritt Österreichs zur EU – maßgeblich beteiligt, dass Österreich Überschussweizen von Polen und Russland nach Italien umgeleitet wurde. Jetzt geht es darum, dass in Mitteleuropa ein gemeinsames Premiumweizen-Programm entsteht, welches den Überschussmarkt in Mitteleuropa entlastet und den europäischen Konsumenten die besten Grundnahrungsmittel liefert. Herr Harmer, Österreichischer Landwirt seit 12 Jahren in Ungarn hat diesen, mit umfangreicher Arbeit verbundenen Weg, bestätigt.

 

Zur Gentechnik nahm Hofrat Dipl.Ing Leopold Girsch, Bereichsleiter in AGES Stellung, wobei er deutlich feststellte, dass die Koexistenz von konventionellen, bio- und gmo-Pflanzen auf den Feldern nebeneinander eigentlich in Österreich nicht möglich ist. Derzeit wollen Europas Konsumenten keine gentechnisch veränderten Pflanzen auf den Feldern angebaut sehen. Wie geht`s weiter – dies entscheiden Europas Konsumenten!

 

Der anerkannte Praktiker Dipl.Ing. Paul Weiß, Landwirt in Lassee, zeigte die deutlichen Rohertragsverluste der Landwirte seit EU-Beitritt auf. Das kann nur durch die Senkung der auftreteten Kosten begegnet werden. Dies bedeutet jedoch, dass sich jeder Landwirt intensivst weiterbilden muss, um mit der größtmöglichen Intelligenz und letztem Wissensstand dem zunehmend sinkenden bäuerlichen Einkommen zu begegnen.

 

Schlussfolgerungen

 

Ing. Gerhard Breuer weiß, dass die Landwirtschaftlichen Fachschulen in Österreich die Gegenwart und Zukunft im Ländlichen Raum sind. Diese sind Bildungshäuser für „Land und Leben“, somit die Stütze für die Land- und vor allem auch der Stadtbevölkerung. Dipl.Ing. Ernst Grosslercher will die internationale Zusammenarbeit intensivieren – so z.B. ist im März 2004 eine Fachexkursion zu EU-Kommissar Dr. Franz Fischler vorgesehen, um die Probleme der Landwirtschaft in Mitteleuropa darzustellen und Lösungswege dafür zu finden. Dr. Hannes Lang sieht Chancen im pannonischem Raum, wenn es gelingt, die Ängste und Sorgen abzubauen, um mit viel positiver Energie der Bevölkerung im Städtischen und Ländlichen Raum eine prosperierende Zukunft in Mitteleuropa zu erreichen.  

 

 

V o r t r a g s r e i h e

 

L A N D W I R T S C H A F T   im   U M B R U C H

 

Freitag, 30. Jänner 2004, 09.00 bis 13.00 Uhr

 

Landwirtschaftliche Fachschule Obersiebenbrunn

 

E r ö f f n u n g   und   B e g r ü ß u n g

Dir. Ing. Gerhard Breuer

LFS Obersiebenbrunn

 

Vortrag und Diskussion zum Thema

„Welche Antworten hat die Agrarpolitik auf die Erweiterung der EU ?“

 

Bundesminister  Dipl.Ing. J o s e f   P r ö l l

Lebensministerium

 

 

Vorträge und Diskussion zum Thema

„So geht`s weiter !“

 

„Getreidemärkte in Mittel- und Osteuropa“

Dipl.Ing. Ernst Gauhs, Bereichsleiter, RWA

 

„Situationsbericht – Tschechien und Slowakei“

Dr. Peter Hancvencl, Agrarattache, Tschechien und Slowakei

 

„Situtationsbericht – Ungarn“

Dipl.Ing. Ernst Zimmerl, Agrarattache, Ungarn

 

„Marktgegner oder Reformpartner“

Dr. Josef Pinkl, Geschäftsführer, Vereinigung Österreichischer Rübenbauern

 

„Gentechnisch veränderte Kulturpflanzen“

Hofrat Dipl.Ing. Leopold Girsch, Bereichsleiter, AGES

 

 „Landwirtschaft zwischen Bratislava und Wien“

Dipl.Ing. Paul Weiß, Landwirt  

 

„Situationsbericht – Niederösterreich“

Dipl.Ing. Josef Plank, Landesrat, NÖ Landesregierung

 

 

D i s k u s s i o n s l e i t u n g

 

Dr. Hannes Lang, RLH Marchfeld

Dipl.Ing. Ernst Grosslercher, Probstdorfer Saatzucht